Februar 2018: Habtom und Judith

„Mein Lieblingserlebnis gemeinsam als Tandem? Das erste Mal deutsches Silvester feiern. 2015 war das. Mit Raketen, Tanzen und diesem Alkohol mit Zucker und Feuer… Wie heißt das noch gleich?“ Habtom wendet sich an seine Tandempartnerin Judith. Sie überlegt kurz. „Feuerzangenbowle?“ „Jaa, genau!“, ruft Habtom und seine Augen strahlen.
Die Beiden sind seit fast drei Jahren ein Tandemteam und eines der ersten in der Geschichte von kulturgrenzenlos.
„Mittlerweile sind wir einfach Freunde. Man trifft sich nicht, weil man ein Tandem ist, sondern weil man Lust hat, etwas zusammen zu unternehmen.“, erzählt die 25-jährige Verwaltungsstudentin Judith.
Als sie hörte, dass ihr zukünftiger Tandempartner aus Eritrea stammt, musste sie zunächst googlen, wo das Land eigentlich genau liegt. Mittlerweile hat sie viel gelernt über Eritrea, die Kultur und die Leute. „Toll war, als mich Habtom zu einer eritreische Hochzeit mitgenommen hat“.
Verständigungsprobleme gab es von Beginn an kaum. Außer einmal, wie sich Habtom lachend an das allererste Treffen erinnert. „Ich hatte keine Ahnung was vegan ist. Vegetarier, klar, schon mal gehört. Aber vegan?“ Judith weiß sofort, worum es geht. „Und du warst auch noch so frech, mir nach dem ersten Treffen ein Video zu schicken, in dem gesagt wurde, dass auch Pflanzen Gefühle haben!“, Habtom grinst „Stimmt! Am Ende hast du mich gefragt: Willst du, dass ich nur noch Wasser trinke?!“
Mittlerweile setzt Habtom in Kiel sein in der Heimat begonnenes Medizinstudium fort und ist überzeugt, dass ihm das Tandemprojekt eine große Hilfe war. „Am Anfang ist es richtig schwer, mit Leuten in Kontakt zu kommen. Da hilft das Projekt sehr. Allein schon die großen Treffen alle zwei Wochen sind super: Man kommt gemeinsam in einen Raum und weiß: Hier sind nette Leute, die offen und hilfsbereit sind, die man kennenlernen kann.“ Und an Judith gewandt ergänzt er: „Und wenn man jemanden hat, der einem hilft, dann hat man auch wieder Selbstvertrauen und kann alles schaffen.“
(Interview: Alex Pappert, Foto: Henni Wunderow)