In diesem Jahr feiert kulturgrenzenlos sein zehnjähriges Bestehen – ein schöner Anlass, um auf besondere Geschichten aus dem Tandemprojekt zurückzublicken.
Eine davon ist die Freundschaft von Nina und Mahmoud, die sich bereits 2018 über das Projekt kennengelernt haben. Heute, über sechs Jahre später, verbindet die beiden weit mehr als gemeinsame Veranstaltungen – es ist eine tiefe Freundschaft entstanden.
Kennengelernt haben sich Nina und Mahmoud bei einem der ersten Get Togethers von kulturgrenzenlos. Beide waren damals neu in Kiel und auf der Suche nach Anschluss. Nina, die für ihren Master in „Migration und Diversität“ an die Förde zog, erinnert sich: „Ich wollte mit jemandem zusammen Kiel entdecken, der vielleicht auch neu hier ist.“ Auch Mahmoud hatte ähnliche Beweggründe: „Ich wollte einfach neue Leute kennenlernen. Meine Nachbarin in Flintbek hat mir kulturgrenzenlos empfohlen – und kurz darauf wurde ich mit Nina gematcht.“
Schnell stellte sich heraus, dass die Chemie stimmt. Gemeinsam besuchten sie Events, gingen in die Oper („Das erste Mal Oper – für uns beide eine kleine Herausforderung!“), unternahmen Strandausflüge, testeten Stand-Up-Paddling („Ich sehe immer noch vor mir, wie Mahmoud direkt in den Busch fährt“, lacht Nina), oder trafen sich einfach zum Essen und Quatschen.
In all den Jahren haben sie nicht nur Kiel gemeinsam entdeckt, sondern auch viele persönliche Lebensphasen miteinander geteilt: Umzüge, neue Jobs, Geburtstage, Familienbesuche.
„Mahmoud hat meine Familie kennengelernt, meine Mutter spricht heute noch von ihm und hat ihm sogar ein Weihnachtsgeschenk gemacht“, erzählt Nina schmunzelnd. Mahmoud ergänzt: „Durch Nina habe ich viel über die deutsche Kultur gelernt – ganz nebenbei. Geburtstagsfeiern, Tischkultur, Alltagsgewohnheiten – vieles war für mich neu, aber spannend.“
Auch Nina sagt, dass sie durch Mahmoud viel über Familienstrukturen im arabischen Raum und interkulturelle Unterschiede gelernt hat. „Besonders beim Thema Rollenverteilung in der Familie war das total interessant – auch weil Mahmoud mir das so gut erklären konnte“, sagt sie.
Einmal hatte er sie und eine Freundin zum Kochen eingeladen – nur war das Essen schon komplett fertig. „Für uns bedeutete ‚zusammen kochen‘ eigentlich, dass man zusammen kocht“, erzählt Nina. „Aber Mahmoud meinte ganz selbstverständlich: ‚Ihr seid doch meine Gäste.‘“ Heute lachen beide über diesen Moment.

Ihr Rezept für eine lange Tandemfreundschaft? Keine festen Pläne. „Wir machen einfach, worauf wir Lust haben. Manchmal einmal im Monat, manchmal öfter – aber immer mit Freude“, sagt Mahmoud. „Wir nehmen uns jedes Jahr vor, im Sommer wieder Stand-Up-Paddling zu machen. Und jedes Jahr schaffen wir es nicht. Aber vielleicht dieses Jahr!“
Nina und Mahmoud sind sich einig: kulturgrenzenlos hat ihnen nicht nur eine Tandempartnerschaft, sondern eine echte Freundschaft geschenkt. Und auch wenn sie sich selbst nicht als Vorbild bezeichnen würden – sie zeigen, wie viel möglich ist, wenn man offen aufeinander zugeht. „Wenn ein Tandem so wird wie unseres – dann ist das schon ziemlich ideal“, sagt Nina.

Melde dich auch beim Tandemprojekt an! Den Link findest du auf Instagram in der Bio, auf unserer Website oder schreib uns einfach an und wir schicken ihn dir. Wir freuen uns auf euch!
Interview und Foto: Sine Kaemena, Robert Gerzmann, Regina Elagina
Mir macht besonders die Arbeit mit Menschen Spaß. Die Idee eines Begegnungsprojekts, bei dem Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen aufeinandertreffen finde ich besonders wichtig, um Vorurteile abzubauen und dazu beizutragen, gemeinsam eine offene, bunte Gesellschaft zu gestalten, in der sich jede Person willkommen fühlt. Insbesondere im momentanen gesellschaftspolitischen Klima ist es mir wichtig, mich für ein diverses und friedliches Miteinander einzusetzen.
Interkultureller Austausch bedeutet für mich, sich zu trauen, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken, offen auf Menschen und ihre Lebenswelten zuzugehen und neue Perspektiven einzunehmen.
Frage an Ann-Christin per E-Mail →