Warum ich im Tandemprojekt mitmache

Stimmen aus der kulturgrenzenlos-community

Viele Menschen aus Kiel überlegen lange, bevor sie sich beim Tandemprojekt anmelden. Die Gedanken ähneln sich: Schaffe ich das zeitlich? Wird von mir erwartet, häufig an regelmäßigen Treffen teilzunehmen? Muss ich ständig etwas organisieren?

Wenn wir mit Teilnehmenden sprechen, die bereits Teil eines Tandems sind, wird deutlich, dass sich solche Sorgen meist in der Praxis schnell auflösen. Wir haben einige von ihnen gefragt, warum sie mitmachen – und was tatsächlich passiert, wenn man sich anmeldet.

Tobin erzählt, dass er selbst viel Zeit im Ausland verbracht hat. Er weiß, wie wichtig der Kontakt zu den Menschen vor Ort ist, um sich in einer neuen Stadt zurechtzufinden. Für ihn war die Motivation klar:

“Ich habe beim Tandemprojekt mitgemacht, da ich große Lust hatte, Menschen aus anderen Kulturen kennenzulernen, gemeinsam zu lernen und sich auszutauschen. Als jemand, der selbst viel Zeit im Ausland verbracht hat, weiß ich, wie hilfreich der Kontakt zu Locals ist, um sich möglichst schnell einzuleben und zu integrieren. Dieses Gefühl der Willkommenskultur wollte ich gerne zurückgeben.
Seit über einem Jahr verbringen mein Tandempartner Zayan und ich nun Zeit zusammen. Ich blicke auf wirklich tolle Treffen zurück: Wir konnten unglaublich viel voneinander lernen und es fühlte sich toll an, ihm einen Teil meiner Heimat zu zeigen – ob gemeinsam im Holstein-Stadion, bei einem Ausflug an den Strand oder in der Kletterhalle. Da man die Treffen flexibel absprechen kann, lässt sich das Ehrenamt super mit dem Studium und einem Nebenjob vereinbaren, ohne dass man Uni-Veranstaltungen verpasst.”

 

Auch Linea hatte anfangs keine klaren Erwartungen, war eher neugierig und gespannt auf das Projekt. Rückblickend beschreibt sie ihre Erfahrung so:

„Ich finde, unser Tandem versteht sich sehr gut. Es ist eine sehr positive Erfahrung. Ich hatte keine Stereotype.
Ich mag es sehr, dass kulturgrenzenlos Menschen zusammenbringt – mit dem Ziel, Freundschaften zu ermöglichen und voneinander zu lernen. Dieser Austausch funktioniert in beide Richtungen.
Wenn man mit dem Tandem beginnt, fühlt es sich nicht wie eine große Verpflichtung an. Man hat keinen Druck, sich jede Woche zu treffen. Eigentlich ist es genau andersherum. Natürlich möchte man sich regelmäßig sehen, aber manchmal geht es nicht – wir studieren beide und haben unterschiedliche Stundenpläne. Dann helfen die Veranstaltungen, einen gemeinsamen Termin zu finden. Man muss keine Angst haben, sich jeden Tag oder jede Woche treffen zu müssen.
Es gibt Freiheit.
Und was ich Studierenden sagen würde, die überlegen, mitzumachen: Es gibt viele coole Veranstaltungen – regelmäßige wie Yoga, Tischtennis, Fußball oder Volleyball. Und es gibt besondere Events. Alle Events sind kostenlos. Man kann zum Beispiel in die Oper gehen.
Man muss sich auch nicht ständig treffen, um ein gutes Tandem zu sein. Es geht um die Stimmung. Darum, zusammen etwas Schönes zu machen. Zu reden.
Und man muss nichts Teures unternehmen. Man kann einfach etwas machen, das nichts kostet. Das macht alles unkompliziert.“

 

Luzie ergänzt, warum das Projekt für sie so bereichernd ist:

“Ich bin Luzie Lamken und bin seit November 2022 mit Moussa Traore ein Tandem (auch wenn wir uns leider in letzter Zeit eher seltener getroffen haben).

Als ich für mein Studium neu nach Kiel gezogen bin und erst wenig Leute hier kannte, wollte ich mich auch außerhalb der Uni verknüpfen, Menschen kennenlernen und mich gesellschaftlich einbringen. Zudem habe ich mir erhofft, durch ein eventuell französischsprachiges Tandem meine Sprachkenntnisse im Alltag anwenden zu können, was dann auch super funktioniert hat.

Durch kulturgrenzenlos wurde mir erneut gezeigt, dass das, was uns verbindet, nicht primär Sprache oder Kultur ist, sondern gemeinsame Freizeitgestaltung, gemeinsame Spiele im Park oder einfache die vielen tollen Begegnungen, die man an Nachmittagen im Tandem-Café hat. Zudem habe ich einen Freund gewonnen, mit dem ich französisch sprechen kann und jedes Treffen bereichernd ist, auch wenn man sich sprachlich nicht immer auf Anhieb versteht.”

Was auffällt: Niemand spricht von „Hilfe leisten“ oder „Verantwortung übernehmen“.

 

Ann-Christin formuliert es so:

„Ich sehe meine Teilnahme als Ehrenamtliche im Tandemprojekt als Chance, Menschen mit anderen kulturellen Erfahrungen kennenzulernen und so selbst neue Erfahrungen zu machen.“

 

Und They­nushya betont die Gegenseitigkeit:

“Ich mache beim Tandemprojekt mit, weil ich dadurch neue Freundschaften knüpfe und meinen Freundeskreis über kulturelle und sprachliche Grenzen hinweg erweitern kann. Ich finde es toll, unterschiedliche/neue Lebensrealitäten kennenzulernen und gemeinsam Hobbys zu teilen oder neue Aktivitäten auszuprobieren. Besonders schön ist dabei der Austausch auf Augenhöhe und die flexible Gestaltung – angepasst an die eigene zeitliche Kapazität. Außerdem schätze ich es sehr, dass es sich um ein Ehrenamt handelt, mit dem man aktiv zu einer offenen und solidarischen Gemeinschaft beitragen kann.”

Vielleicht liegt genau darin der Kern: Das Tandemprojekt prägt und verändert den Alltag der Teilnehmenden nicht komplett. Es erweitert ihn.

Nicht durch Verpflichtung, sondern durch Begegnung.

Was es wirklich bedeutet, ein Tandem zu sein: 

  • Keine Pflichtveranstaltungen und hohe Flexibilität – die Tandems entscheiden selbst, wie oft sie sich treffen und was sie unternehmen möchten
  • Keine finanziellen Hürden – Veranstaltungen bei kulturgrenzenlos sind kostenlos und liefern den Tandems Ideen, was sie unternehmen könnten
  • Keine Erwartungen, perfekt vorbereitet zu sein – wir unterstützen euch in eurem Austausch
  • Keine Rolle als „Erklärperson“ – sondern als Tandempartner*in auf Augenhöhe

Stattdessen:

  • Neue Perspektiven auf Begegnung, die eigene Stadt und vieles anderes mehr
  • Gemeinsame Aktivitäten – vom Volleyball bis zur Oper
  • Gespräche, die man sonst vielleicht nie geführt hätte
  • Freundschaften, die bleiben können

Das Tandemprojekt steht unter dem Motto „Inklusion durch Freundschaft“. Es lebt davon, dass Menschen aus Kiel und Umgebung bereit sind, einen kleinen Schritt aufeinander zuzugehen und sich auf eine Tandempartnerschaft einzulassen.

Wenn du also überlegst, ob du genug Zeit hast, genug Erfahrung oder genug zu bieten:
Vielleicht reicht es, einfach neugierig zu sein.

Melde dich auch beim Tandemprojekt an! Den Link findest du auf Instagram in der Bio oder auf unserer Website (Tandemprojekt – kulturgrenzenlos). Wir freuen uns auf dich!

Text: Regina Elagina, Robert Gerzmann

Ann-Christin

  • Rolle im Projekt:
    Projektkoordinatorin im Projekt „CoCo – Cooking Connects“
  • Was motiviert dich, bei uns mitzuarbeiten?

    Mir macht besonders die Arbeit mit Menschen Spaß. Die Idee eines Begegnungsprojekts, bei dem Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen aufeinandertreffen finde ich besonders wichtig, um Vorurteile abzubauen und dazu beizutragen, gemeinsam eine offene, bunte Gesellschaft zu gestalten, in der sich jede Person willkommen fühlt. Insbesondere im momentanen gesellschaftspolitischen Klima ist es mir wichtig, mich für ein diverses und friedliches Miteinander einzusetzen.

  • Was bedeutet dir interkultureller Austausch?

    Interkultureller Austausch bedeutet für mich, sich zu trauen, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken, offen auf Menschen und ihre Lebenswelten zuzugehen und neue Perspektiven einzunehmen.

  • Ein Fun Fact über dich:
    Meine kleine Mopshündin Lilly wird euch evtl. auch im Büro oder bei gemeinsamen Projekten über den Weg laufen. 

Frage an Ann-Christin per E-Mail →