Timon und Salar

Salar und Timon sind seit knapp einem Jahr ein Tandem bei kulturgrenzenlos.

Timon lebt seit zwei Jahren in Kiel. Er studiert Politik und Spanisch an der CAU. Salar wohnt seit 1,5 Jahren in Kiel. Er macht gerade einen B2-Deutschkurs. Salar ist Kurde aus dem Norden des Irak. In seiner Heimat hat er Mathe studiert und … Öl. „Du hast Öl studiert?“ Timon lacht und sagt zu Salar: „Du hast studiert, wo man Öl findet, wo Ölfelder sind und welche Bestandteile das Öl hat. So ein bisschen wie Geografie, richtig?“ Salar ergänzt: „Genau, wie ein Ölingenieur.“ In Kiel möchte Salar nach dem Deutschkurs eine Ausbildung machen. Er weiß noch nicht so genau, als was. Timon und Salar überlegen gemeinsam, welche Möglichkeiten es gibt.

Das erste Mal haben sie sich im November 2019 bei uns in der Alten Mu getroffen. Seitdem ist zwischen ihnen eine Freundschaft entstanden. „Wir treffen uns nicht regelmäßig. Also mal treffen wir uns in der Woche zwei Mal, mal drei Wochen nicht.“, beschreibt Timon ihren Kontakt im Tandem. „Es kommt darauf an.“, bestätigt Salar. „Wir treffen uns zum Kaffee, wenn wir uns länger nicht gesehen haben und gucken einfach, was gerade abgeht. Und dann reden wir zum Beispiel auch über [Salars] Familie, weil Corona im Irak ja zurzeit auch ganz schlimm ist.“ Salar hat Timon auch viel darüber erzählt „wie verzwickt“ die politische Lage in Kurdistan ist.

Zu Partys sind die zwei schon gemeinsam gegangen. „Salar kennt auch schon einige meiner Freunde“, erklärt Timon. Sie treffen sich gerne im Schrevenpark oder in Timons WG. Dann spielt das Tandem zusammen X-Box oder Playstation. Shisha rauchen sie auch gerne. Salar lacht: „Timon ist Deutscher, aber er hat eine Shisha zuhause.“ Oder sie schauen mit Timons Mitbewohner gemeinsam Fußball. „Salar ist ja Fußball-verrückt.“, sagt Timon. „Und durch Salar gucke ich jetzt auch wieder mehr Fußball.“ Die beiden schauen aber nicht nur Fußball, sondern treffen sich besonders gerne auch zum Fußballspielen. Sie waren schon ein paarmal gemeinsam bei dem kulturgrenzenlos-Fußball dabei. Oder sie treffen sich mit einer anderen Gruppe von Fußball-Begeisterten. „Ja, das sind Leute, die Salar irgendwo kennen gelernt hat, alle aus Lateinamerika oder Spanien.“, freut sich Timon.

Ein Highlight für das Tandem war, als sie gemeinsam im Stadion waren, um ein Fußballspiel zu sehen. „Holstein-Kiel, ja.“ – „Das war ein Highlight.“  – „Ja, wir waren ja mittendrin. Wir saßen mit zwei Kumpels genau da, wo die ganze Pyrotechnik und sowas losgeht. Die ganze Zeit springen… und Fangesänge haben wir geübt. Ich war danach heiser.“, erzählt Timon. Salar ergänzt: „Wir hatten keine andere Liebe – nur Holstein-Kiel… Und am Ende 1 – 1 … wir haben nicht gewonnen…“ Beide lachen.

Auf die Frage, was sie voneinander gelernt haben, antwortet Timon: „Salar versucht mir auch teils mit Erfolg, teils nicht mit Erfolg, Sprichwörter beizubringen auf Kurdisch oder auf Arabisch. Und ich lern‘ die dann ganz ganz langsam.“, lacht Timon. Salar erzählt Timon außerdem viel darüber, wie Gastfreundschaft im Irak oder Kurdistan aussieht. „Wenn wir bei uns was zu trinken anbieten, sagen wir noch fünfmal: Wieso trinkst du nicht? Trink! TRINK! Und am Ende trinkt er“, lacht Salar. Timon erklärt, dass er versucht, das, was Salar ihm erzählt, selber mit seinen Freunden umzusetzen. Er möchte seine Freund*innen jetzt zum Beispiel öfter mal einladen und mal für einen „Kumpel“ kochen. Timon sagt, dass er dank Salar Kiel besser kennenlernt. „Ja, du warst mit deinem Fahrrad unterwegs und kanntest den Weg nicht. Ja, du hast mich gefragt, wo das Rathaus ist.“ Das Tandem lacht. „Ja und das ist immer noch so. Du musst mir immer noch die Buslinien erklären.“

Text und Bild: Marieke Stöhr

Tandemworkshop zum Thema „Interkulturelle Kommunikation“

Ein Erfahrungsbericht von Julia, die aktuell ein Praktikum bei kulturgrenzenlos macht:

kulturgrenzenlos – da steckt Kultur ja schon im Namen. Was genau ist aber Kultur? Und welche Bedeutung hat sie für unser Miteinander? Diese Fragen haben wir uns bei unserem Tandemworkshop zum Thema „Interkulturelle Kommunikation“ im Oktober gestellt.

Los ging es mit Musik und ein paar Fragen zum Kennenlernen und der Frage, was Kultur für uns bedeutet. Dabei haben wir herausgefunden, dass Kultur ganz unterschiedliche Bereiche hat. So verstehen wir unter Kultur zum Beispiel Werte und Moralvorstellungen, aber auch Essen, Musik oder Humor gehören zu der Kultur dazu. Es war wirklich sehr spannend zu sehen, welche unterschiedlichen Begriffe uns eingefallen sind. Im Anschluss wollten wir ein bisschen Ordnung in unser „Wörterchaos“ bringen. Dazu haben wir die Begriffe in das Eisbergmodell geordnet. Nach diesem Modell unterscheidet man zwischen sichtbaren Aspekten von Kultur und solchen, die nicht sichtbar sind. Meistens ist es dabei so, dass die unsichtbaren Aspekte von Kultur die sichtbaren beeinflussen. Auch darüber nachzudenken, war für uns alle sehr interessant und wir konnten uns viel austauschen und diskutieren.

Manchmal war es aber auch gar nicht so leicht, die Begriffe zuzuordnen. Nach einer kurzen gemütlichen Pause haben wir uns in kleinen Gruppen noch einmal drei besondere Bereiche von Kultur angeschaut: Zeit, Selbstwahrnehmung und Kommunikation. Hier sollten wir dann einmal für uns selbst überlegen, ob uns zum Beispiel Pünktlichkeit wichtig ist oder gar nicht. Diese Übung hat uns gezeigt, dass wir nur selten entweder das eine oder das andere sind. Die meisten von uns haben sich auf einer Skala in der Mitte eingeordnet. Am Ende hatten wir noch ein bisschen Zeit, um zu überlegen, wie wir das Gelernte für unsere Tandem-Freundschaften nutzen können.

Als Einstieg in mein Praktikum bei kulturgrenzenlos war der Workshop wirklich super hilfreich. Ich habe noch einmal verstanden, wie wichtig es ist, meine eigene Kultur und auch Persönlichkeit zu beobachten und zu verstehen. Dann fällt es viel leichter, auch andere Menschen, ihre persönlichen Geschichten und ihre Kultur anzunehmen und sich darauf einzulassen. Die vielen offenen und spannenden Gespräche haben gezeigt, dass auch alle anderen viel mitgenommen und gelernt haben an diesem Abend.

Shima und Hanna

„Wenn wir uns treffen, können wir gar nicht mehr aufhören miteinander zu reden.” Seit knapp zwei Jahren sind Shima und Hanna nun ein Tandem. Meistens treffen sich die beiden zu zweit – zum Spazieren, zum Kaffee trinken und vor allem um zu reden. Sie haben sich sehr schnell sehr gut kennengelernt. “Irgendwie passt es vom Lebenslauf und von den Interessen sehr gut”, meint Hanna. Auch Shima meint, dass sie viele Gemeinsamkeiten hätten und dass sie das jeweils andere Leben sehr interessant fänden:
Shima möchte gerne Medizin studieren und sieht sich in Zukunft in Hannas Position, denn sie studiert bereits Medizin und konnte auch schon weitere Erfahrungen im Auslandssemester sammeln.
Hanna auf der anderen Seite ist begeistert von Shimas kulturellem Hintergrund. Im Gespräch konnten sich die beiden sehr intensiv über die Politik und Geschichte Irans und Deutschlands austauschen und dabei viel voneinander lernen.

Auch auf emotionaler und kommunikativer Ebene scheinen die beiden sehr verbunden. Shima hat seit ihrer Ankunft in Deutschland sehr viel vermisst, wie z.B. ihr Studium, ihre Wohnung und einen Teil ihrer Familie im Iran. “Am Anfang hat es mir sehr geholfen, mit Hanna in Kontakt zu sein. Sie hat mich verstanden und mich immer motiviert. Durch die Treffen mit Hanna habe ich viel mehr Selbstvertrauen bekommen, mich auf Deutsch zu unterhalten.”
Schnell war für beide klar, dass sie mit ihrer Tandempartnerin auch gleich eine neue Freundin gewonnen hatten.

Auch wenn sich Hanna und Shima in der Regel zu zweit treffen, waren sie schon bei dem ein oder anderen Event von kulturgrenzenlos. Dabei gefielen ihnen besonders die Ausflüge in die Natur, z.B. die Wanderung um den Ahrensee. “Kiel hat so eine schöne Umgebung, das gerät meistens in Vergessenheit.”
Nebenbei findet Shima auch das Ideenwerk von kulturgrenzenlos sehr cool und engagiert sich dort momentan: Sie möchte ihre Leidenschaft für das Tanzen gerne weitergeben und bietet deshalb im Moment einen Workshop an, in dem sie den Teilnehmerinnen Techniken des Bauchtanzes, Bandari und des iranischen Tanzes beibringt.

Zuletzt möchte Shima noch eine Botschaft weitergeben, die ihr in der Tandemfreundschaft bewusst geworden ist: „Man muss die Beziehungen verpflanzen und bauen. Alle Menschen sollten sich in ihren Beziehungen bemühen, eine gemeinsame Sprache zu finden. Dazu zählt nicht nur eine gesprochene Sprache wie Farsi oder Deutsch, sondern die Sprache der Herzen. Dafür braucht man Energie, Zeit und Geduld.“

Interview: Ahmad Al Nouri

Text: Arvid Sprenger

Bild: Katharina Theune

Tandem und Corona? Das geht!

Das ist Sarah. Seit Februar bildet sie zusammen mit Khanim ein Tandem bei kulturgrenzenlos. Wir haben sie bei schönstem Wetter getroffen und durften einen Einblick in ihre Tandem-Freundinnenschaft und die Besonderheiten in Zeiten von Corona bekommen.

Sarah studiert Islamwissenschaft und Pädagogik an der CAU. Als sie im Februar mit Khanim vermatcht wurde, steckte sie noch voll in der Klausurenphase… und dann: kamen Ausgangsbeschränkungen, Schließung von Cafés und das Gebot, Abstand zu wahren. Das Tandemprojekt lebt normalerweise von gemeinsamen Aktivitäten. “In den ersten Wochen und Monaten konnten wir uns gar nicht treffen. Das Gute war, dass wir trotzdem über Whatsapp regelmäßigen Kontakt hatten. Der Kontakt hielt so gut, dass wir uns vor kurzem endlich zum ersten Mal treffen konnten!”

Sarah und Khanim wohnen beide auf dem Kieler Ostufer und sind zufällig sogar Nachbarinnen! Da lag ein Spaziergang durch Wellingdorf am Anfang nahe, aber auch zu einem Stadtbummel haben die beiden sich schon getroffen. “Wir sind auf jeden Fall froh, dass wir jetzt zusammen draußen etwas unternehmen können!”

Sarah und Khanim verstehen sich sehr gut. Ein besonders schöner Zufall für die jungen Frauen war, dass sie beide Arabisch sprechen. “Unsere Kulturen sind ähnlich. Wir konnten gleich viele Gemeinsamkeiten finden und die Kommunikation hat schnell und gut funktioniert.” Sie sprechen aber auch gerne Deutsch miteinander und sind damit ein Beispiel für die gelebte Sprachenvielfalt im Tandemprojekt.

Was Sarah motiviert, sich ehrenamtlich zu engagieren? Die vielen interkulturellen Erfahrungen, die sie in ihrem Leben bisher bereichert haben! „Nach meinem Abitur habe ich einen Bundesfreiwilligendienst in der Türkischen Gemeinde beim Projekt Samo.fa mitgemacht. Ich habe auch in Integrationskursen und als Sprachmittlerin gearbeitet. Das hat mir total Spaß gemacht.“ Seitdem hat Sarah total Lust auf interkulturelle Begegnungen und kann sich sogar vorstellen, in dem Bereich nach dem Studium zu arbeiten.

Auch mit Khanim hat sie noch große Pläne. “Wir haben festgestellt, dass wir beide Interesse am Reiten haben. Wir konnten es aber noch nie ausprobieren.”
Na dann bleibt uns nur noch, euch viel Erfolg bei eurem neuen gemeinsamen Hobby zu wünschen! :)

Interview: Lena Stöcker und Kathi Theune

Foto: Kathi Theune

Leon und Mohammed

Seit November 2019 sind Mohammed und Leon Tandempartner. Mohammend war schon davor bei kulturgrenzenlos aktiv – besonders die monatlichen Get Together gefallen ihm sehr. Leon kennt kulturgrenzenlos aus der Uni und weil er einfach Lust hatte neue Menschen kennenzulernen hat er sich im Tandemprojekt angemeldet. “Am Anfang hatte ich etwas Sorge, dass das sehr aufwendig wird mitzumachen, aber wie sich gezeigt hat, war das total unbegründet”, erinnert er sich. “ Wie oft, wann und wo man sich trifft ist ja total flexibel.”

Schon bei ihrem ersten Treffen in der Thinkfarm haben sie direkt gemerkt, dass sie sich gut verstehen. Sie mussten beide nie nach Gesprächsthemen suchen, sondern hatten immer was zum Quatschen. “Wir reden auch immer viel über Kultur, also darüber was es hier so in Deutschland gibt und was im Jemen, wo ich ursprünglich herkomme. Ich finde die Gespräche mit Leon super, weil ich so meine Sprache verbessern kann und viel über seinen Alltag hier erfahre.”, erzählt Mohammed. Leon stimmt ihm direkt zu: “Ich finde es immer total spannend und bereichernd mich mit Mohammed auszutauschen!”

Zum Reden und Kaffee trinken treffen sich die beiden gerne im Café MUM&DAD. Mit einem weiteren Tandem von kulturgrenzenlos haben sie bereits an einem Ausflug ins Ballett im Opernhaus teilgenommen. Und an Weihnachten ging es dann zusammen zu einer Weihnachtsfeier im Schrebergarten von Leon und seinen Freunden.

Auch die nächsten gemeinsamen Aktivitäten sind bereits geplant: Zusammen zum Spieleabend von kulturgrenzenlos gehen und einen gemeinsamen Kochabend mit dem Tandem Ibrahim und Sarah veranstalten, bei dem Gerichte aus dem Jemen zubereitet und verköstigt werden.

Wir wünschen jetzt schon einen guten Appetit und freuen uns, dass ihr ein Teil von kulturgrenzenlos seid!

Foto: Elias Tetzlaff

Interview: Marieke Stöhr, Ahmad Nouri und Lisa Nhan

Maren und Abdulaziz

Wo beginnt der Westring und wo führt eigentlich der Ostring entlang? “Das sind so Kleinigkeiten, die einem sehr helfen sich in Kiel zu orientieren”, sagt Abdulaziz, der ursprünglich aus dem Jemen kommt und erst seit Februar 2019 in Kiel wohnt. Mit seiner Tandempartnerin Maren kann er sich wohl kaum verlaufen. Denn Maren kommt aus Kiel und möchte auch nach ihrer Ausbildung bei Port of Kiel gerne hier bleiben. Abdulaziz findet das super: “Für mich ist es toll, ein Tandem mit einer Kielerin zu haben, weil sie mir sehr viel über die Stadt erzählen kann und mir auch viel hier zeigt.” 

Die beiden haben schon einiges zusammen unternommen. Sie waren zum Beispiel mal im Schifffahrtsmuseum am Hafen: “Das war sehr spannend.”, sagt Abdulaziz “Das erste Mal, dass ich in einem deutschen Museum war”. Einmal haben sie sich aber auch in FIintbek, einem Vorort von Kiel, in dem Abdulaziz zur Zeit wohnt, getroffen. Maren erzählt begeistert: “Das war ein cooler Tag. Ich bin zu meinen Eltern gefahren, die auch in Flintbek wohnen, um meine Autoreifen zu wechseln. Da kam Abdul einfach vorbei und hat mir geholfen, die Reifen zu wechseln. Danach haben wir gemeinsam mit meinen Eltern Kürbissuppe gegessen und noch etwas gespielt. Und zum Nachtisch hatte Abdul noch leckere, arabische Süßigkeiten mitgebracht.” Abdulaziz stimmt ihr zu: “Stimmt, das war sehr schön! Aber auch unsere Wanderung in Molfsee oder der Besuch im Freilichtmuseum waren super!” 

Natürlich reden sie auch immer wieder über die deutsche Sprache. “Maren ist mir eine große Hilfe beim Deutsch lernen”, sagt Abdulaziz und auch sie selbst fängt an, ganz anders über ihre Muttersprache nachzudenken. Abdulaziz lacht: “Ich habe so viel Grammatik gelernt; wenn ich einen Satz höre, dann denke ich nicht, was bedeutet das jetzt, sondern: Ah, das ist Dativ.”

Auf die Frage, was ihnen besonders gut an ihrem Tandem gefällt, antwortet Abdulaziz sofort: “Mir gefällt dieser kulturelle Austausch total und das war auch der Grund, warum ich mich bei kulturgrenzenlos angemeldet habe. Ich zeige Maren zum Beispiel auch gerne Fotos und Videos aus dem Jemen, wo ich herkomme, und auch aus Saudi Arabien, wo ich einige Jahre gearbeitet und gewohnt habe”. Und Maren ergänzt: “Besonders cool finde ich es auch, wenn er mir arabische Lieder zeigt und mir erklärt, wovon die handeln. Es ist einfach spannend, so viel Neues über eine andere Kultur zu erfahren.”

Interview und Foto: Lena Stöcker

Basel und Marco

Das sind Marco und Basel. Seit fast zwei Jahren sind sie ein Tandem bei kulturgrenzenlos. Die beiden haben ihre gemeinsame Leidenschaft für Schach entdeckt und nehmen das Spiel auch sehr ernst: „Einmal kam im Café eine Frau zu uns und hat gefragt, ob wir nach dem Spiel immer noch Freunde sind, so fokussiert sind wir beim Spielen“ erzählt Basel lachend. Mindestens einmal in der Woche treffen sie sich zum Kaffee trinken, quatschen und Schach spielen.

Marco schwärmt, dass ihn Basel immer mal wieder zum Kochen einlädt: „Das ist immer ein Highlight für mich, weil er mich dann in seine Heimat mitnimmt und mir seine Kultur zeigt. Und das ist halt echt spannend!“ Basel erzählt begeistert von der Silvesterparty mit Marco: „Das war meine erste Party mit Deutschen und das hat sehr viel Spaß gemacht. Es gab ein Buffet, wir haben gespielt, Musik gehört und natürlich diesen einen Film geschaut…“ „Du meinst Dinner for one?“, fragt Marco lachend. „Ja genau, sehr lustig!“, grinst Basel.

Angefangen hat alles damit, dass Marco sich gerne engagieren wollte. „Ich wollte etwas ehrenamtliches machen und bin dann durch Zufall auf kulturgrenzenlos gestoßen und die haben mir den Kontakt zu Basel vermittelt“, erzählt Marco. „Klar ist das am Anfang ein bisschen schwierig ins Gespräch zu kommen, man muss sich ja erst einmal kennenlernen – aber nach wenigen Treffen war eigentlich klar, dass das passt“, erinnert sich Marco. Basel ergänzt: „Das Gute ist, dass wir uns für ähnliche Sachen interessieren“. Hin und wieder spielen die beiden auch gemeinsam Tischtennis in der Alten Mu, ein weiteres Hobby, das sie verbindet.

„Kulturgrenzenlos, das bedeutet für mich einfach Freundschaft“, erklärt Basel, „auch weil man hier so viele freundliche Menschen kennenlernen kann. Und ich freue mich natürlich immer sehr mit Marco Zeit zu verbringen.“ Marco fügt strahlend hinzu: „Es bringt einfach sau viel Spaß und man lernt viele nette Menschen kennen. Für mich ist das auch kein Ehrenamt mehr, weil ich mich einfach super gerne mit Basel treffe und da eine echte Freundschaft entstanden ist“.

 

Interview: Lena Stöcker

Fotos: Saad Kanbar

Nina und Mahmoud

Das sind Nina und Mahmoud. Seit November 2018 sind die beiden nun ein Tandem bei kulturgrenzenlos und treffen sich meist spontan, immer dann, wenn sie Zeit und Lust haben. Bei ihren Treffen quatschen sie über alles Mögliche. Spannend findet Nina vor allem Mahmouds Arbeit am Geomar, dem Zentrum für Ozeanforschung in Kiel: „Ich verstehe überhaupt nicht, was für verrückte Unterwasser-Roboter sie da herstellen, aber ich finde es immer immer wieder aufregend, mehr darüber zu erfahren“, erzählt sie begeistert. Nina selbst studiert an der CAU Migration und Diversität.

Dass die beiden sich von Beginn an so gut verstanden haben, hat Nina zunächst etwas überrascht. Sie erzählt, dass sie schon einmal bei einem anderen Projekt ein Tandem hatte, mit dem es leider nicht so gut funktioniert hat. Umso mehr hat sie sich gefreut, dass sie und Mahmoud sich sofort so viel zu erzählen hatten. Mahmoud ergänzt: „Inzwischen fühlen wir uns auch gar nicht mehr richtig als Tandem, sondern eher als Freunde.“

Mahmoud erzählt, dass er sich bei kulturgrenzenlos angemeldet hat, weil er einfach den Wunsch hatte, neue Leute kennenzulernen und sein Deutsch zu verbessern. Nina wollte bei kulturgrenzenlos mitmachen, weil sie selbst neu in Kiel war: „Ich dachte das passt gut, wenn man mit jemandem, der auch noch nicht so lange in Kiel ist, gemeinsam die Stadt kennenlernen kann“. Von Anfang an haben die beiden gerne gemeinsam die Get Together Events von kulturgrenzenlos besucht. Durch die vielen Aktivitäten und die verschiedenen Menschen fällt ihnen das Kennenlernen leichter.

Nina erzählt, dass sie es richtig schön fand, als sie mit einer Freundin bei Mahmoud zum Essen war und sie danach noch eine andere Freundin von Mahmoud besucht haben, wo sie den Abend am Lagerfeuer an der Eider verbracht haben. „Besonders schön war es auch, als wir mal zusammen in der Oper waren“, ergänzt Mahmoud. Doch etwas haben die beiden schon länger vor, aber bisher noch nicht geschafft: Endlich mal Stand up Paddling auszuprobieren. „Das ist auf jeden Fall fest eingeplant für den nächsten Sommer“, sagt Nina und Mahmoud stimmt fröhlich zu.

Interview: Khaled Hasso und Lena Stöcker
Foto: Khaled Hasso

Mohammad und Finja

An einem sonnigen Februartag in Kiel treffen wir Mohammad und Finja in der Alten Mu. Die beiden sind jetzt seit drei Monaten ein Tandem bei kulturgrenzenlos. Sie unternehmen am liebsten „chillige Sachen“, erzählt Mohammed: Ein Spaziergang an der Förde oder ein Ausflug zum Strand. “Wir verabreden uns einfach spontan per WhatsApp, so wie es für jeden am besten passt.”
Wenn die beiden nicht gerade bei kulturgrenzenlos aktiv sind, gibt es trotzdem genug zu tun. Neben seinem Engagement meistert Mohammad gerade zwei Jobs gleichzeitig: Pizzalieferant als Nebenjob und Inventurhelfer in Vollzeit. Mohammad freut sich ganz besonders auf seinen Studienbeginn in Elektrotechnik ab dem kommenden Sommersemester, denn in den Fächern Physik, Chemie und Mathe hat er seine große Leidenschaft entdeckt.
Finja lacht: „Das ist genau das Gegenteil von mir. Das wäre mein absoluter Albtraum!“ Sie hat im letzten Semester ihren Bachelor in Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation an der FH Kiel angefangen. Nebenbei managt sie das Marketing für einen selbstgebauten Elektro-Rennwagen, der im Sommer durch ganz Europa auf Rennen geht. „Und das ist auch cool, wenn die Meinungen und die Vorstellungen unterschiedlich sind. Das wird sonst auch langweilig. Ich möchte mit meinem Tandem darüber sprechen, was ich nicht kenne und worüber ich mich vorher noch nicht unterhalten habe.“ erklärt Mohammad.

„Jeder, der aus einem anderen Land kommt bringt unterschiedliche Erfahrungen mit. In den Medien bekommen wir immer ein Bild vorgelegt, wie das alles abgelaufen ist und ich fand es interessant eine Perspektive kennenzulernen, die total anders ist als alles, was ich erwartet hatte.“ schätzt Finja ganz besonders am Tandemprojekt. kulturgrenzenlos bedeutet für sie auf eine ganz unkomplizierte Art und Weise Menschen kennenzulernen: „Für mich ist es eine unglaublich schöne Gemeinschaft, wo man sich immer wohl fühlen kann.“ Mohammad ergänzt: „Und das Gute ist bei kulturgrenzenlos auch, dass man immer teilnehmen kann, wenn man Zeit hat.“
Zum Studium wird Mohammad bald nach Osnabrück ziehen. Trotzdem möchten die beiden unbedingt in Kontakt bleiben: „Auf jeden Fall schreibe ich Finja, wenn ich nach Kiel komme. Dann möchte ich sie treffen, weil Finja einfach ein sehr netter Mensch ist. Und das sage ich nicht nur, weil sie neben mir sitzt.“ grinst Mohammad.
#integrationdurchfreundschaft

Interview: Khaled Hasso und Jana Nau
Foto: Jana Nau

Malte und Farhan

Die Sonne strahlt uns in unsere Gesichter, wir sitzen im grünen Innenhof der Alten Mu und sind ganz erstaunt über diesen wunderschönen Sommer in Kiel. Heute treffen wir Malte und Farhan, beide sind 29 Jahre alt und seit knapp acht Monaten ein Tandem bei kulturgrenzenlos.

Malte ist Doktorand im Fach Jura und Farhan war Arabischlehrer in Syrien und begeistert sich für Literatur. Farhan schwärmt, dass er großes Glück hatte einen Tandempartner wie Malte gefunden zu haben. Die beiden haben schon viel miteinander unternommen. Malte erzählt wie Farhan ihn auf einen kurdischen Tee eingeladen hat: „Er sagt immer: Nimm mehr Zucker!“. „Ja, genau!“, lacht Farhan. Gemeinsam sind die beiden auch auf dem Konzert von „Kiel hilft Flüchtlingen“ gewesen. „Farhan war ziemlich geschockt am Anfang, weil alles so laut und rockig war“, erzählt Malte, „aber am Ende haben wir dann zusammen die arabischen Volkstänze getanzt“. „Das hat richtig viel Spaß gemacht“, erinnert sich Farhan. Am Ende des Abends konnte Malte sogar ein paar arabische Tanzschritte.

Auf die Frage, was beide voneinander gelernt haben, werden Farhan und Malte plötzlich sehr nachdenklich: „Für mich war es sehr interessant die Geschichten des Krieges und der Flucht von einer Person zu hören, die das wirklich erlebt hat, und nicht nur aus den Medien. Man nimmt das ganz anders wahr”, erklärt Malte.

Farhan ist überwältigt, dass er in Deutschland nach langer Zeit eine besondere Erfahrung machen konnte, die ihm wieder Hoffnung gegeben hat: „I never thought that there are people who take care about another one. Just for nothing, just for respect and humanity.“ Er ist dankbar dafür, dass er nicht mehr das Gefühl hat alleine zu sein. „Es ist so einfach zu helfen. Eigentlich gewinnt man einfach einen neuen Freund“, meint Malte.