Michael war sofort dabei, denn Spontaneität ist eines der Dinge, die er aus seiner Heimat vermisst: „Für alles braucht man hier einen Termin. Wenn ich zum Beispiel von der Arbeit kam, hab‘ ich meinen Freund angerufen und gesagt: „Bist du zuhause? Alles klar, ich komme.“ Pläne machen war für mich neu. Das musste ich erstmal lernen.“
Das Spiel ging 2:1 für Kiel aus – als gebürtiger Bremer für Niels natürlich eine Enttäuschung. Doch Michael hat mit Kiel gehalten und Niels hat im Stadion noch spontan seine Booster-Impfung abgestaubt: „Es ist also doch noch gut gelaufen für uns beide“, lacht Niels.
Niels und Michael studieren beide an der CAU Kiel. „Ich war neu in der Stadt und hatte einfach viel Freizeit. Da hab‘ ich mich mit dem Thema Ehrenamt auseinandergesetzt und bin auf kulturgrenzenlos gestoßen. Das klang nach einer coolen Sache und ich hatte Lust Leute kennenzulernen.“, erzählt Niels. Michael, der seit etwa drei Jahren in Deutschland lebt, schätzt das Tandemprojekt, weil es ihm ermöglicht, Dinge aus einer anderen Perspektive zu verstehen: „Ich hätte Einiges ohne Niels wahrscheinlich nie ausprobiert, zum Beispiel ins Stadion zu gehen oder die Kunsthalle zu besuchen. Es gibt mir die Möglichkeit im Moment zu sein und mich zuhause zu fühlen.“ Niels ergänzt, wie spannend er Michaels Sicht auf die Dinge findet: „Wenn man hier aufwächst, hinterfragt man oft Vieles einfach nicht. Wir reden viel über unsere Kulturen, ihre Unterschiede und Gemeinsamkeiten.“
Neben langen Gesprächen bei Spaziergängen durch den Schrevenpark soll es bei den beiden auch sportlich weitergehen: Sie haben jetzt Tischtennis für sich entdeckt und freuen sich schon auf’s nächste Match.
Mir macht besonders die Arbeit mit Menschen Spaß. Die Idee eines Begegnungsprojekts, bei dem Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen aufeinandertreffen finde ich besonders wichtig, um Vorurteile abzubauen und dazu beizutragen, gemeinsam eine offene, bunte Gesellschaft zu gestalten, in der sich jede Person willkommen fühlt. Insbesondere im momentanen gesellschaftspolitischen Klima ist es mir wichtig, mich für ein diverses und friedliches Miteinander einzusetzen.
Interkultureller Austausch bedeutet für mich, sich zu trauen, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken, offen auf Menschen und ihre Lebenswelten zuzugehen und neue Perspektiven einzunehmen.
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