Das erste Mal haben sie sich im November 2019 bei uns in der Alten Mu getroffen. Seitdem ist zwischen ihnen eine Freundschaft entstanden. „Wir treffen uns nicht regelmäßig. Also mal treffen wir uns in der Woche zwei Mal, mal drei Wochen nicht.“, beschreibt Timon ihren Kontakt im Tandem. „Es kommt darauf an.“, bestätigt Salar. „Wir treffen uns zum Kaffee, wenn wir uns länger nicht gesehen haben und gucken einfach, was gerade abgeht. Und dann reden wir zum Beispiel auch über [Salars] Familie, weil Corona im Irak ja zurzeit auch ganz schlimm ist.“ Salar hat Timon auch viel darüber erzählt „wie verzwickt“ die politische Lage in Kurdistan ist.
Zu Partys sind die zwei schon gemeinsam gegangen. „Salar kennt auch schon einige meiner Freunde“, erklärt Timon. Sie treffen sich gerne im Schrevenpark oder in Timons WG. Dann spielt das Tandem zusammen X-Box oder Playstation. Shisha rauchen sie auch gerne. Salar lacht: „Timon ist Deutscher, aber er hat eine Shisha zuhause.“ Oder sie schauen mit Timons Mitbewohner gemeinsam Fußball. „Salar ist ja Fußball-verrückt.“, sagt Timon. „Und durch Salar gucke ich jetzt auch wieder mehr Fußball.“ Die beiden schauen aber nicht nur Fußball, sondern treffen sich besonders gerne auch zum Fußballspielen. Sie waren schon ein paarmal gemeinsam bei dem kulturgrenzenlos-Fußball dabei. Oder sie treffen sich mit einer anderen Gruppe von Fußball-Begeisterten. „Ja, das sind Leute, die Salar irgendwo kennen gelernt hat, alle aus Lateinamerika oder Spanien.“, freut sich Timon.
Ein Highlight für das Tandem war, als sie gemeinsam im Stadion waren, um ein Fußballspiel zu sehen. „Holstein-Kiel, ja.“ – „Das war ein Highlight.“ – „Ja, wir waren ja mittendrin. Wir saßen mit zwei Kumpels genau da, wo die ganze Pyrotechnik und sowas losgeht. Die ganze Zeit springen… und Fangesänge haben wir geübt. Ich war danach heiser.“, erzählt Timon. Salar ergänzt: „Wir hatten keine andere Liebe – nur Holstein-Kiel… Und am Ende 1 – 1 … wir haben nicht gewonnen…“ Beide lachen.
Auf die Frage, was sie voneinander gelernt haben, antwortet Timon: „Salar versucht mir auch teils mit Erfolg, teils nicht mit Erfolg, Sprichwörter beizubringen auf Kurdisch oder auf Arabisch. Und ich lern‘ die dann ganz ganz langsam.“, lacht Timon. Salar erzählt Timon außerdem viel darüber, wie Gastfreundschaft im Irak oder Kurdistan aussieht. „Wenn wir bei uns was zu trinken anbieten, sagen wir noch fünfmal: Wieso trinkst du nicht? Trink! TRINK! Und am Ende trinkt er“, lacht Salar. Timon erklärt, dass er versucht, das, was Salar ihm erzählt, selber mit seinen Freunden umzusetzen. Er möchte seine Freund*innen jetzt zum Beispiel öfter mal einladen und mal für einen „Kumpel“ kochen. Timon sagt, dass er dank Salar Kiel besser kennenlernt. „Ja, du warst mit deinem Fahrrad unterwegs und kanntest den Weg nicht. Ja, du hast mich gefragt, wo das Rathaus ist.“ Das Tandem lacht. „Ja und das ist immer noch so. Du musst mir immer noch die Buslinien erklären.“
Mir macht besonders die Arbeit mit Menschen Spaß. Die Idee eines Begegnungsprojekts, bei dem Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen aufeinandertreffen finde ich besonders wichtig, um Vorurteile abzubauen und dazu beizutragen, gemeinsam eine offene, bunte Gesellschaft zu gestalten, in der sich jede Person willkommen fühlt. Insbesondere im momentanen gesellschaftspolitischen Klima ist es mir wichtig, mich für ein diverses und friedliches Miteinander einzusetzen.
Interkultureller Austausch bedeutet für mich, sich zu trauen, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken, offen auf Menschen und ihre Lebenswelten zuzugehen und neue Perspektiven einzunehmen.
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